Vortrag Dr. Schikorski in Stuttgart

Dr. M. M. Schikorski (Klinikum Elmshorn, Chefarzt PD Dr. Thies)
Vortrag zur Jahrestagung mittelrheinischer Chirurgen
18.-20.09.2003


Chirurgie der Adipositas – wann ist die Liposuktion sinnvoll?
Spezifische Vorteile und Anwendungsweise der Ultraschall-Assistierten-Liposuktion (UAL)

Die Behandlung der Adipositas ist von dringlicher medizinischer Bedeutung. Neben psychotherapeutischer Betreuung und Ernährungsumstellung sind chirurgische Behandlungsmethoden bei der morbiden Adipositas oft primär oder sekundär unabweislich.

Auch bei geringeren Graden der Adipositas sind oftmals chirurgische Behandlungen sinnvoll.

Bei der Liposuktionbehandlung der Adipositas muß respektiert werden, daß diese Operation im Wesentlichen einer Konturverbesserung und nur selten einer Gewichtsreduzierung dient. Ergebnisse wie bei dieser Fotomontage sind nicht erzielbar.

Ohne Anspruch auf wissenschaftliche Exaktheit haben wir die Adipositas daher eingeteilt in :
· Nutritiv bedingte, den ganzen Körper betreffende Adipositas und
· Segmentale, genetisch bedingte Adipositas.

Die nutritive Adipositas ist eine relative Kontraindikation zur Liposuktion, weil diese Methode Disziplinmangel und Völlerei nicht beeinflussen kann. Daher sind dauerhafte Ergebnisse nicht zu erwarten. Zwar lassen sich nach umfangreichen, oft mehrzeitig erforderlichen Liposuktionen hormonelle Veränderungen, wie eine Normalisierung des präoperativ erhöhten Seruminsulinspiegels nachweisen, jedoch gelingt dies auch durch konsequente Reduktionskost. (Grazer: McCarthy-“Plastic Surgery”)

Bevorzugte primäre Operationsverfahren sind in den „hoffnungslosen“ Fällen das gastric banding oder auch die offene Gastroplastie, ggf. mit Dermolipektomie. Sekundär sind formverbessernde resektive Eingriffe allein oder in Kombination mit einer Liposuktion sinnvoll.

Anders verhält es sich bei der genetisch bedingten lokalisierten Adipositas. Sogar bei dieser 70 jährigen Patientin mit Fettschürze. In diesen Fällen ist mit der Beseitigung der lokalen, oftmals auch ausgedehnt lokalen Fettdepots dauerhaft die körperliche Entstellung beseitigt. Deshalb können narbensparende moderne Liposuktionsverfahren (wir arbeiten mit dem SONOCA-Lipo von Söring) mit verstärkter Hautschrumpfung vielfach auch allein angewandt werden.

Im Hinblick auf die Liposuktion finden wir bei diesen Patienten kritische Hautveränderungen. Es ist knapp 15 Jahre her, daß der größte amerikanische Versicherer allen plastischen Chirurgen, die Patientinnen über 30 Jahre absaugten, mit dem Entzug des Versicherungsschutzes drohte.

Über die operative Methode entscheidet allein die prognostizierte postoperative Retraktionsfähigkeit der Haut. Diese ist nach konventioneller Liposuktion eng begrenzt und reicht im günstigsten Fall aus, die präoperativ bestehende Hautspannung wieder herzustellen.

Die Ultraschall-assistierte-Liposuktion (UAL) bedingt bei leichterer Arbeit, eine erhebliche Verbesserung der Hautschrumpfung. Sie sehen, daß der Handgriff lediglich auf der ausgestreckten Hand liegt, ohne festgehalten zu werden. Wie ist dies möglich?

Während bei der konventionellen, auch der motorisch betriebenen Liposuktion, nicht einzelne Adipocyten sondern ganze Zellverbände mit den Hüllstrukturen herausgerissen werden, zerplatzen bei der UAL die Fettzellen berührungsfrei durch Kavitationsprozesse, die bei hypotoner Tumeszenzlösung vorzugsweise im Zellinnenraum ablaufen. Zugleich wird das zähe, aus den Zellen auslaufende Öl mit der Betäubungslösung emulsifiziert. Die Kanüle rutscht nur in den frei werdenden Zellraum hinein.

Diese kriechfähige Emulsion läßt sich atraumatisch mit geringem Sog entfernen. Mikromechanische Läsionen sind apparativ und durch angepaßte Handhabung der Geräte vermeidbar. Kraftraubender körperlicher Einsatz des Operateurs ist nicht erforderlich. Blutverluste sind eng begrenzt, trotzdem sehen wir darin keine Indikation zur risikoreichen Massenfettabsaugung.

Kollagene Hüllstrukturen und auch Faserzellen bleiben dem Organismus erhalten. Die Absaugkanäle sind nicht scharf gegeneinander abgesetzt sondern konfluieren, da die Kavitationsprozesse den Durchmesser der Ultraschallkanülen weit überragen.

Dies bedingt eine homogenere Narbenbildung mit gleichmäßigerer Schrumpfung und signifikant glatteren Hautoberflächen. Zu diesem Thema gibt es eindeutige Festlegungen der Task Force der amerikanischen Gesellschaft für Plastische Chirurgie.

Ultraschall wird nur in Flüssigkeiten wirksam, daher auch nur effektiv in wasserresorbierenden Geweben. Dazu gehören nicht: Bindegewebe, Nervenscheiden und Gefäßwände! Somit erlaubt zur Zeit allein der Ultraschall eine fettselektive Liposuktion.

Die Hautschrumpfung ist jedoch kein Instrument der Formverbesserung. Die Haut übt keine Traktion aus und kann daher auch keine Körperformung bewirken. Dies gilt für Facelift-Proceduren genauso wie für die Liposuktion. Dauerhaft, und im Idealfall faltenfrei und ohne Unregelmäßigkeiten, kann sich die Haut nur wie eine Tapete dem neu modellierte Körper anlegen.

Aufgrund des hohen Energieeintrags in den Körper (Beschleunigung der Sonotrodenspitze zwischen 10.000 und 100.000 G !) sollte die plastische Formung nicht allein mit der UAL erfolgen, wir empfehlen eine abgestimmte Kombination aus UAL und modifizierter herkömmlicher Liposuktion.

Endpunkt für die UAL:
der aufgehobene Gewebewiderstand.