Vortrag Dr. Schikorski in Moskau

Dr. M. M. Schikorski (Klinikum Elmshorn, Chefarzt PD Dr. Thies)

Moskau Okt. 2002

Gesellschaft für Plastische und Ästhetische Chirurgie


Ultraschall-assistierte-Liposuktion

Zunächst möchte ich mich führ die Einladung nach Moskau recht herzlich bedanken. Ich bin jedesmal, wenn ich hierher komme, tief beeindruckt von den Veränderungen dieser immer schöner werdenden Stadt.

Mein bestes Ergebnis zeigt keine allseits schlanker gewordene Jennifer Lopez. Hier handelt es sich um simple Computeranimation. Die Liposuktion bewirkt zumeist keine Gewichtsreduktion sondern eine Harmonisierung der Konturen. Es geht also nur um eine ästhetische Korrektur der Silhouette, um gleichmäßige, harmonische Linienverläufe. Es geht darum aus hübschen Menschen schöne Menschen zu formen und nicht aus dicken Menschen dünne heraus zu saugen. Über meine zweijährigen Erfahrungen mit meiner Methode und dem von mir mitentwickelten Gerät, dem SONOCAÒ-Lipo der Firma Söring, sowie über meine Operationsmethodik durfte ich auf Einladung des Weltverbandes der Ästhetischen Chirurgen (ISAPS) im April 2002 in Tokyo berichten.

Mit einer Einspielung eines Fernsehberichtes von SAT-1 über eine meiner Lehrveranstaltungen und das operative Resultat können Sie sich rasch einen Eindruck über mein Verfahren machen. Die Operationen erfolgen bei mir ausschließlich in örtlicher Betäubung. Das Gerät verfügt sowohl über die Möglichkeiten der Ultraschall-assistierten-Liposuktion (UAL) als auch über die Vorrichtung zur herkömmlichen Liposuktion (SAL). Es ist meiner Ansicht nach zwingend, beide Verfahren miteinander zu kombinieren. Hierbei erlaubt die vorausgegangene UAL beim Wechsel zur SAL eine erheblich reduzierte Saugleistung. Dies hilft bereits, Gefäß- und Nervenabrisse zu vermeiden.

Welche anderen Effekte machen die UAL zum überlegenen Liposuktionsverfahren?

Ultraschall verfügt im Gewebe über verschieden Wirkungen, die wesentlichste ist, daß Ultraschall in Flüssigkeiten Kavitationsprozesse auslöst. Hierunter verstehen wir zyklisch komprimierte und expandierte Mikrogasblasen, welche die Ultraschallenergie übernehmen, wenn der aktivierte Transducer die Kanüle in einer Sekunde 25.000 mal vor und zurück bewegt. Dies entspricht der Oszillationsfrequenz. Erreichen diese Gasblasen eine kritische Größe, so implodieren sie in einer Expansionsphase und setzen die gesamte aufgenommene Energie schlagartig wieder frei. Dies führt bei den tonnenschweren Propellern von Ozeandampfern zur Zerstörung der Bronzepropeller und bei der Liposuktion zum Zerplatzen der Fettzellen, zum Zerreißen langkettiger Fettsäuremoleküle und zur Emulsifizierung des auslaufenden zähen Zellöles. Die Emulsion läßt sich mit erheblich geringerer Saugleistung absaugen, wobei die Zellmembranen und sekundären Hüllstrukturen (Kollagene und Lipoproteide) im Körper verbleiben. Diese Anteile sind vernarbungsfähig. Ihr Verbleib bewirkt eine fünf bis zehnmal stärkere Hautschrumpfung im Vergleich zur SAL.

Weil Ultraschall die gewünschten Wirkungen nur in Flüssigkeiten entfaltet, ist die Arbeit in trockner Technik ein Kunstfehler durch Mißachten der physikalischen Grundbedingungen. Solche Arbeitsweise zerstört nur infolge ungewünschter Nebeneffekte: mechanische Friktion, Reibung, Dampfhammereffekte und Hitzeentwicklung. Die Fettzellzerstörung richtig angewandten Ultraschalls ist eine berührungsfreie Schallwellendestruktion. Die Kanüle gleitet nur in den freiwerdenden Zellraum hinein. Die Kanüle muß deshalb nicht unter Kraftaufwand geführt werden, sie ist kein Dampfhammer. Auch wenn der Handgriff nur auf der flachen Hand liegt, kann abgesaugt werden, allerdings weicht die Kanüle dann z. B. bindegewebigen Widerständen aus, was zu unsystematischer Arbeitsweise führt.

Bei der SAL erfolgt die Gewebereduktion durch das Aussaugen von Tunneln im Fettgewebe, wobei nicht einzelne Zellen, sondern Zellverbände mit ihren Hüllstrukturen entfernt werden. Die Gewebereduktion ist zwangsläufig unsystematisch und ungleichmäßig. Im Zusammenspiel mit geringerer Hautschrumpfung hinterläßt dies bei oberflächlicher Absaugung sichtbare Hautveränderungen trotz Gasparotti. Der saugt übrigens schon seit Jahren wieder mit der Pumpe und benutzt auch für die superfizielle Liposuction seine alten 6-mm-Kanülen.

Dagegen reicht die Ultraschallwirkung bei der UAL weit über den Sonotrodendurchmesser hinaus, was zu gleichförmigerem Abtrag führt. Das Belassen der zellulären Hüllstrukturen aus Kollagen und Lipoproteiden führt zu erheblich verbesserter Gewebe- und Hautschrumpfung. Die Absaugung kann bis unmittelbar subdermal erfolgen, es kann sogar eine aggressive Ultraschall-Stimulation der Haut zur Erzwingung einer noch stärkeren Schrumpfung durchgeführt werden. Blutverluste sind bei der UAL geringer als bei der SAL.

Die gewebeselektive Ultraschallwirkung erlaubt sogar eine Präparation zur Freistellung der großen Gefäße, was wir z. B. bei der axillären Lymphknotendissektion nutzen und damit gleichzeitig die intercosto-brachialen Nerven sicher schonen können.

Alle Liposuktionen führen wir in alleiniger Tumeszenz-Lokalanästhesie (TLA) durch. Abweichend von der Lösung nach Klein haben wir Modifikationen vorgenommen, die einen schnelleren Wirkungseintritt und längere Wirkdauer bedingen. Hierzu wird der Lösung Ropivacain zugesetzt. Eine verbesserte Wirkung im vermindert durchbluteten Gewebe (Adrenalin) erreichen wir mit höherer Konzentration an Natriumbikarbonat. Und weil wir die TLA-Lösung vor allem innerhalb der Fettzellen benötigen, haben wir unsere Lösung durch Hypotonisierung mit destilliertem Wasser optimiert.

Meßreihen mit hoher Dosierung unserer Tumeszenzlösung zeigen eine sichere Anwendung weit unterhalb toxischer Plasmaspiegel.

Gewünschtre Ultraschallwirkungen sind allein Kavitationen. Mikromechanische Disruption läßt sich konstruktiv durch Veränderungen der Sonotrodenspitze bei ausreichender Geräteleistung vermeiden. Eine ausreichende Fettemulsifikation findet erst jenseits von 130 mm (Amplitude als Leistungsparameter) statt. Schwächere Geräte müssen mit kleineren Kanülenflächen auskommen. Mit derartigen Kanülen kann sogar Pappe durchtrennt werden. Über Devastierungen muß sich dann keiner wundern.

Derartige Kanülenformen sind u. E. ursächlich für die dem Ultraschall nachgesagten Verbrennungen, hier handelt es sich aber um segmentale Störung der Hautdurchblutung durch Abschälen der hautversorgenden Gefäße im subdermalen Plexus mit schneidenden oder reißenden Kanülen. Derartiges passiert auch bei aggressiver konservativer Liposuktion. Richtig gehandhabte Ultraschallgeräte der dritten Generation erzeugen keine Hitze und keine Devastierungen.

Die Schallausbreitung in der Luft liegt bei ca. 330 m/Sek. Im Körpergewebe beträgt der Wert rund 500 m/Sekunde. Auch die forcierteste Arbeit mit der Kanüle kann nicht schneller sein und ist daher unsinnig. Die bedachtsame und gleichmäßige Arbeit mit dem Ultraschall erlaubt eine millimetergenaue Kontrolle auch in heikelsten Regionen wie Absaugungen im Gesichtsbereich.

Das widerstandsarme, langsame Arbeiten mit hoher Energiedichte macht den Ultraschall überlegen in fibrotischen Zonen. Die Möglichkeit der Hautstimulation verbessert, wie schon vorher festgestellt die Hautschrumpfung, so daß vielfach resektive Eingriffe unnötig oder erst sekundär in kleinerem Ausmaß nötig werden.
Damit ist die UAL bei allen Operationen mit Erfordernis der Hautschrumpfung und auch bei für die Liposuktion kritischen Hautverhältnissen anderen Verfahren weit überlegen, was hier im Hinblick auf die Ultraschall-Brachioplastik demonstriert wird.

Einsatzgebiet des Ultraschalls ist nicht die überwiegend sinnlose Massenfettabsaugung sondern die präzise Körperformung mit nahezu bildhauerischer Präzision. Sehen Sie im Folgenden eine Reihe derartiger Vorher- und Nachher-Fotos. Dazwischen läßt sich der vorteilhafte Ultraschall-Einsatz bei großem Hautüberschuß bei eine 70ig-jährigen Patientin zeigen und anhand der Formung der Gesäßregion, vor deren Formungsversuch ohne Ultraschall wir nur warnen können. Es muß klar sein, daß schrumpfende Haut keine dauerhafte Traktion auf das Gewebe ausüben kann. Die Haut kann sich nur, im günstigen Fall faltenfrei, dem Körper anlegen. Also muß das Gesäßfett modelliert und der Haut ein starker Schrumpfungsimpuls vermittelt werden.

Die Art der Ultraschall-Hautstimulation zeigen wir hier anhand der Zerstörung (Eradikation) der Achselschweißdrüsen. Das kleine, etwa 5*7 cm große Hautareal wird systematisch unter Druck für 7 – 10 Minuten mit der Ultraschallkanüle im Rückwärtsgang attackiert. Verbrennungsähnliche Bilder haben wir dabei noch nicht beobachten können. Wer jetzt immer noch an den Unsinn von Ultraschallverbrennungen glaubt, dem sei hier das von der Firma Söring und mir gemeinsam entwickelte Verfahren der Ultraschall-assistierten-Wundbehandlung (UAW) mit Leistungsultraschall demonstriert. Sogar die zarten frischen Granulationsgewebekapillaren werden nicht zerstört. Es wird lediglich die tiefreichend Ultraschall-Bakterizidie neben oberflächlicher Debridierung genutzt. Was Fliegenmaden an der Oberfläche in 14 Tagen bewirken, das schafft die UAW in 1 Minute.

Wie bei allen Operationen, das Hauptrisiko für die UAL ist der Operateur, der sein Gerät nicht kennt und nicht richtig handhabt. Infektionen sind lebensgefährlich nach einer Liposuktion und erfordern im Verdachtsfall die sofortige stationäre Aufnahme und ggf. die intensivmedizinische Betreuung. Aufgrund der Ultraschall-Bakterizidie sind Infektionen bei der UAL noch seltener. Unbemerkte Perforationen in TLA können nicht vorkommen und sind bei der bedächtigen Arbeitsweise mit der UAL ohnehin kaum denkbar. Jedenfalls ist mir aus der gesamten Weltliteratur noch kein Fall bekannt geworden. Alle anderen Risiken unterscheiden sich bei sämtlichen Verfahren nur marginal. Ultraschall-„Verbrennungen“ sind bei sachgerechter Technik mit modernen Geräten und stumpfen Kanülen (bullet-type) nicht bekannt geworden. Devastierungen und Hautnekrosen kennen wir aus oberflächlicher, aggressiver SAL und UAL in trockner Technik schon. Letzteres ist aber wie bereits erwähnt ein chirurgischer Kunstfehler.

Sowohl der Geschwindigkeitswahn mit Verwendung immer aggressiverer Kanülen bei der SAL , als auch die ängstliche und unsinnige Verwendung immer dünnerer Kanülen, die auch immer flexibler und weniger kontrollierbar werden, bedingen hohe Risiken.

Für uns steht eindeutig fest:
Ultraschall ist die Methode der Zukunft durch eine überlegene Sicherheit der Liposuktion und vorbildliche Resultate.