Vortrag Dr. Schikorski in Kloster Seeon

Dr. med. Michael M. Schikorski Chirurgische Klinik KKH-Elmshorn
Chefarzt Priv. Doz. Dr. med. Ernst Thies
17. 9. 2001


Body Contouring in TLA mit der Combined Procedure.
UAL statt Resektion.
Verbesserte Kontrolle statt Rough Suction.

Das sind Schlagworte, hinter denen sich ein Entwicklungsprogramm verbirgt.

Von verschiedenen Autoren ( Talmor und Hoffman aus New York, auch Ovrebo und Vindenes aus Norwegen) wurde wiederholt über Perforationen des Thorax oder des Viszeralraumes mit nachfolgender Peritonitis und auch über derart bedingte Todesfälle bei der herkömmlichen Liposuktion in Allgemeinnarkose berichtet.
Auch unter diesem Aspekt war das Entwicklungsziel eine weitere Herabsetzung des operativen Traumas, Schonung von Patient und Operateur durch eine weniger ruppige, gleichförmig fortschreitende und kontrollierte Arbeitsmethode.
Neben einer sanfteren Operationsmethodik war zudem eine risikoarme verbesserte Oberflächenanalgesie bei Einsatz der Tumeszenz – Lokalanästhesie gewünscht.

Für diese Ziele wurde ein neurochirurgisches Präzisionsultraschallgerät der Fa. Söring an die speziellen Anforderungen der Liposuktion adaptiert. Das Ursprungsgerät wird seit 13 Jahren an über 350 neurochirurgischen Zentren weltweit eingesetzt.
Mit diesem Gerät der dritten Generation sind alle Formen der Liposuktion möglich. Das Kompaktgerät verfügt über Infiltrationspumpe, Ultraschallgenerator und Hochleistungs-Vakuumpumpen.

Die Schwingungsamplitude von 280 mm ermöglicht den Einsatz sanft gerundeter, gewebegängiger Sonotroden bei exzellenter Emulsifikation des aus den zerplatzenden Adipocyten freiwerdenden Öles.

Etwa 80 % der Wärmeproduktion während der Arbeit findet infolge instabiler Frequenz im Piezo-Körper des Handstückes statt. Der handstückcodierte Bereich des SONOCA, in dem mit elektronisch stabilisierten Frequenzen gearbeitet werden kann liegt zwischen 16 und 60 kHz. Aufgrund einer hochstabilen Oszillatorfrequenz ist eine gerätebedingte Hitzeentwicklung nicht möglich !

Hitze kann dagegen als ärztlicher Handhabungsfehler durch Verwinden der Sonotrode im Gewebe entstehen. Hierbei führt die Verklemmung der Sonotrode an den Retinacula cutis zur Änderung der Resonanzfrequenz, mit schlagartiger Temperaturerhöhung im Piezo-Körper. Dieser Temperatursprung kann mittels der Sonotrode auf das Gewebe übertragen werden, eine korrekte Handhabung der Sonotroden mit streng axialen Bewegungen ist also unerläßlich.

Für die UAL stehen unterschiedliche, mit Steckern verbundene gerade und gewinkelte codierte Handstücke mit stabilen Arbeitsfrequenzen zur Verfügung. Die Durchmesser der Sonotroden betragen 4,5 mm von 30 bis 40 cm bzw. 3 mm mit 15 cm Länge. Kurze 1,5 mm Sonotroden sind ebenfalls verfügbar.


Die Ultraschallwirkung beruht auf Kavitationsprozessen, worunter wir energiefreisetzende Implosionen von Mikrogasblasen in der intra- und extrazellulären Flüssigkeit verstehen. Die Bereitstellung einer hohen Flüssigkeitsmenge ist für effiziente Ultraschallwirkung unerläßlich.
Die UAL in trockner Technik ist als Kunstfehler zu werten.

Da bei fortschreitender Ultraschallarbeit nach anfänglichem Anstieg des hydrostatischen Druckes die Zahl der pro Sonotrodendurchgang erreichbaren Adipocyten abnimmt, wird trotz eventueller Irrigation zur Aufrechterhaltung von Kavitationsprozessen die fettzerstörende Ultraschalleffektivität zurückgehen. Dieser Wechselpunkt zur modifizierten konventionellen Liposuktion wird spürbar durch einen nahezu aufgehobenen Gewebewiderstand, wenn das verbliebene Restvolumen leicht unterhalb des Ausgangsvolumens vor der Infiltration liegt. Ein überlanges Beschallen des Gewebes wird dann trotz der anfänglichen nahezu selektiven Wirkung auf die Fettzellen nicht ohne unerwünschte Auswirkung auf andere Gewebearten bleiben.

Gleiches gilt für das Austrocknen des Operationsgebietes durch Flüssigkeitsabstrom und forcierte simultane Absaugung. Eine angepaßte Absaugung ist eine sinnvolle und arbeitszeitverkürzende Effizienzkontrolle des Ultraschalls, die auch das etwaige Auftreten von Blutungen in einem Teil des OP – Gebietes anzeigen würde. Stärkere Blutungen können als einer der möglichen Endpunkte für die Gewebebeschallung angesehen werden, da sie oft unter den anhaltenden Vibrationen nicht zum Stillstand kommen, aber bei weiterer konventioneller Liposuktion nicht persistieren.


Es ergibt sich also u. E. zwingend die Notwendigkeit einer mehrphasigen Operation. Hierbei ist der Ultraschallendpunkt nicht deckungsgleich mit dem angestrebten ästhetischen Ergebnis : erreichbare Restflüssigkeit, geschädigte und vitale Adipocyten sowie verbliebenes unerwünschtes Fettvolumen müssen konventionell entfernt werden. Dank der Vorarbeit mit dem Ultraschall ist für die konventionelle Phase lediglich ein geringer Unterdruck von 0,5 bis 0,6 bar erforderlich.
Die unterschiedliche Qualität der Aspirate ist in diesen Auffanggefäßen deutlich erkennbar.

Die spezielle Geometrie unserer Absaugkanülen erlaubt auch unter diesen Bedingungen eine kontrollierte und langsame Arbeitsweise ohne Verlust an Effizienz. Der Gesamtquerschnitt der spitzenkonzentrierten Sauglöcher ist wesentlich größer als bei herkömmlichen Kanülen. Gefäße und Bindegewebe werden aufgrund der Lochgröße nicht in die Kanüle hieingesaugt, sie können sich zwischen den Öffnungen am Kanülenschaft abstützen.


Sorgfältige Kantenabrundungen der Saugöffnungen und niedriger Sog vermeiden traumatisierende Kantenscherungen, Ausrisse von Bindegewebe und Blutgefäßen, verhindern Kanülenverstopfungen und erhöhen dadurch das Operationstempo. Um diesen Effekt zu ermöglichen und aus Sicherheitsgründen müssen die Kanülen dickwandig und wenig elastisch, aber körpergerecht geformt sein.


Die Entfernung von Subcutanfett mit UAL oder konventionell ist an sich kein Problem. Überbordende Körperformen mit erschlaffter Haut bei erheblichem Fettvolumen stellen jedoch ein großes Problem dar.
Bei der ästhetischen Fettabsaugung ( Body Contouring ) mit einem zu erwartenden Aspirationsvolumen von 4 – 5 Litern reicht die sequentielle Operation in Tumeszenzlokalanalgesie. UAL - Großvolumen- oder Mega-Liposuktionen erfordern eine zusätzliche konstante Gewebeirrigation. Für diese ist die Operation in Narkose und Infiltration allein mit Ringerlösung anzuraten. Tumeszenzlösung sollte jedoch vor Ausleitung der Narkose infiltriert werden, um postoperative Schmerzen zu reduzieren. Das Unterdrücken erlernter spinaler Schmerzreflexe ist jedoch nur durch die Lokalanästhesie möglich.

Bei dieser 70-jährigen Patientin, Bauchumfang 103 cm, wurden insgesamt 3, 2 Liter Fett abgesaugt. Der präoperative Bauchüberhang betrug 15 cm. Abgesaugt wurden Unterbauch, Oberbauch und von dorsal her die Flanken. Der Unterbauch wurde zusätzlich einer systematischen Ultraschall-Hautstimulation n. Münker unterzogen.

Bereits am OP – Tag ist die Konturverbesserung sichtbar, die Frage der Hautresektion stellt sich aber noch.

Ob das Manöver nach Münker wirklich notwendig ist kann derzeit nicht beantwortet werden, möglicherweise induziert bereit die UAL einen ausreichenden Schrumpfungsprozeß. Das postoperative Foto wurde am 14. Tag aufgenommen. Sichtbar sind noch minimale Faltenbildungen und Residuen der alten eingezogenen Blinddarmnarbe, die mit dem V-Dissektor intraoperativ gelöst wurde. Eine weitere Hautschrumpfung und Glättung wurde im weiteren Heilungsverlauf deutlich.

Bei Absaugungen dieses Umfanges waren bislang Schmerzsensationen in alleiniger Tumeszenz- Lokalanästhesie nicht sicher vermeidbar. Auch ein unverzügliches Nachinfiltrieren der entsprechenden Areale bedingte keine sofortige, die weitere Operation ermöglichende Schmerzausschaltung. Wartepausen oder vorübergehende Wechsel des OP – Areals wurden notwendig.

Ein Zuschlag von Ropivacain – S in Höhe von 100 mg / Liter Tumeszenzlösung bewirkte eine dramatisch Verbesserung der Oberflächenanalgesie. Die sequentiell infiltrierten TLA – Volumina lagen zwischen 3 und 7 Litern. Wo Nachinfiltrationen z.B. bei zu trocken gewordenem Gewebe notwendig wurden, konnte binnen Sekunden ungehindert weiter operiert werden. Die postoperative Schmerzausschaltung war erheblich verlängert.

Die Plasmaspiegel von Ropivacain blieben im Erfassungszeitraum von bis zu 7 Stunden weit unterhalb des toxischen Bereiches. In keinem Fall zeigten sich irgendwelche Zeichen einer Intoxikation. Auch nach der Entlassung traten im weiteren Verlauf keine derartigen Komplikationen auf.


Auch für die Basislösung mit Prilocain wurden keine Plasmaspiegel im potentiell toxischen Bereich oberhalb von 5 µg/ml gemessen.


Sehen Sie zum Schluß noch Fotos von zwei Schwestern mit massivem gewünschtem Gewichtsverlust. Die hier abgebildete Schwester konnte mit Hilfe der „weight-watcher“ 50 kg abnehmen, die andere erhielt eine Gastroplastie nach Mason. Beide unterzogen sich einer Fettschürzenresektion n. Grazer. Hierbei entstanden in einem Fall dog-ears, die durch UAL mit Hautstimulation beseitigt wurden. Bei einer der Schwestern wurde der Bauchnabel verpflanzt, bei der anderen reseziert und eine Neo-Umbilicoplastik n. Illouz angelegt.

Unter dem kosmetischen Problem schlaff durchhängender Oberarmhaut, nahezu leerer Hautsäcke litten beide Schwestern sehr.


Einem resezierenden Eingriff mit sichtbaren langen Hautnarben standen sie ablehnend gegenüber, so daß auf ihnen auf Nachfrage der Versuch einer Ultraschall-Hautstimulation angeboten wurde.
Bereits nach drei Tagen war eine erhebliche Hautstraffung mit Konturverbesserung bei beiden Patientinnen unübersehbar.

Nach 14 Tage zeigte auch die andere Schwester eine sehr gute Hauschrumpfung.

Ein gleiches Resultat konnte bei einer weiteren Patientin erzielt werden.
In schwierigen Fällen, wie bei der glutealen Lipodystrophie ist auch eine wiederholte Liposuktion und Hautstimulation denkbar.

Zusammenfassung:
Da Ultraschalldissektoren der dritten Generation keine Hitze erzeugen, können im Vergleich zu Systemen mit simultaner Irrigation dünnere und gewebegängigere Sonotroden verwendet werden. Ein atraumatisch abgerundetes Sonotrodenende erlaubt eine gezielte Ultraschall - Hautstimulation ohne Traumatisierung derselben. Der cutane Effekt dürfte im wesentlichen der Kollagenreorganisation beim Laser - Skinresurfacing verbunden mit einer starken, sich formend auswirkenden Schrumpfung der Retinacula cutis entsprechen. Somit werden zunehmend risikoreichere und ästhetisch weniger befriedigende resektive Verfahren mit langen, sichtbaren Narben vermeidbar sein. Dies gilt auch für ältere Patienten mit bereits erschlaffter Haut, die dennoch einen gewissen Tonus aufweist.
UAL erlaubt einen reduzierten Sog. Anschließende Niedervakuum-Aspiration mit „Slow-motion-Kanülen“ gestattet eine kontrollierte, effiziente und sanfte Arbeitsweise bis zum gewünschten ästhetischen Ergebnis, während die UAL allein u.E. nicht geeignet ist, die Operation bis zu diesem Punkt durchzuführen.

Ich danke Ihnen.